>> Was ist Osteoporose?

Die Osteoporose (aus dem altgriechischen  ὀστέον ostéon, deutsch ‚Knochen‘ und πόρος poros ‚Furt, Pore‘) ist eine Erkrankung, welche auf einem gestörten Verhältnis der Aktivität von knochenabbauenden (Osteoklasten) und –aufbauenden Zellen (Osteoblasten) beruht. Sie tritt mit zunehmendem Alter gehäuft auf.

Die Erkrankung ist zunächst schmerzlos und wird dadurch erst mit dem ersten Knochenbruch bemerkt. Brüche betreffen häufiger die Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenk, können aber an allen Knochen auftreten.

Insbesondere Wirbelkörperfrakturen sind typische osteoporotische Frakturen und schwer zu behandeln.

>> Wer ist betroffen?

Über dem 50. Lebensjahr erleidet jede dritte Frau und jeder fünfte Mann einen Knochenbruch infolge einer Osteoporose.
Es gibt allgemeine Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Osteoporose in der Familie, Tabakkonsum, geringes Körpergewicht (weitere Risikofaktoren siehe unten).

Vor allem Frauen nach der Menopause sind von der Osteoporose betroffen, weil der weibliche Körper nach der Menopause (Wechseljahre) deutlich weniger Sexualhormone produziert, die den Knochenaufbau fördern.

>> Was sind die Symptome?

Osteoporose wird auch die stumme Erkrankung genannt, weil sie sich meist ohne merkliche Symptome entwickelt, bevor Knochenbrüche auftreten. Deshalb ist eine Diagnosestellung vor dem Auftreten der Frakturen erforderlich. Das macht erforderlich, dass das individuelle Risiko für die Osteoporose frühzeitig eingeschätzt wird.
Aber auch wenn Wirbelkörperfrakturen als osteoporotische Frakturen aufgetreten sind, wird die Diagnose häufig zunächst nicht gestellt, obwohl Wirbelkörperfrakturen sehr häufig Rückenschmerzen verursachen. Bei plötzlich aufgetretenen Rückenschmerzen sollte somit an die Möglichkeit des Vorliegens einer osteoporotischen Fraktur gedacht werden und die entsprechende orthopädische oder unfallchirurgische Diagnostik mit Röntgendiagnostik durchgeführt werden.

>> Welche Ursachen gibt es?

Die Osteoporose wird aktuell zwischen primärer und sekundärer Form unterteilt.

Die überwiegende primäre Form ist ein durch den Alterungsprozess des Körpers auftretendes Ungleichgewicht zwischen den kontinuierlichen Prozessen des Knochenaufbaus und Knochenabbaus.

Wenn wir älter werden, verlieren unsere Knochen einiges an ihrer Dichte und Stabilität. Dieser Prozess beginnt bereits mit etwa 30 Jahren, nachdem wir mit etwa 25 Jahren bestand unserer höchsten Knochendichte erreicht hatten.

Bis etwa zum 5. Lebensjahrzehnt bleibt aber die Knochenstabilität durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau recht gut erhalten. Bei Frauen setzt danach die Menopause ein und stört das Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau. Die Postmenopause der Frau ist somit der stärkste primäre Einflussfaktor auf den Abbau der Knochensubstanz und damit wichtigster Auslöser einer primären Osteoporose.

Die sekundäre Form beruht auf anderen Grunderkrankungen oder anderweitigen Risikofaktoren, als da wären: entzündliche Darmerkrankungen oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme aus dem Darm, Störungen des Hormonhaushaltes, Nierenerkrankungen, rheumatischer Arthritis, diversen Medikamenten, etc.

Es gibt über 60 bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose, die frühzeitig erkannt und wenn möglich beeinflusst werden sollten:

    • Alter
    • weibliches Geschlecht
    • Primärer und sekundärer Mangel an Geschlechtshormonen
      • (frühe) Menopause
    • genetische Faktoren – erkennbar durch Osteoporoseerkrankungen in der Familie (positive Familienanamnese)
    • Vitamin D Mangel
    • chronisch entzündliche Erkrankungen, die Nahrungsaufnahme beeinflussen
      • Zöliakie (Sprue)
      • Colitis ulcerosa, M. Crohn
    • Andere chronisch entzündliche Erkrankungen
      • Rheumatoide Arthritis
      • ankylosierende Spondylitis
    • Essstörungen (Anorexie und Bulimie)
    • Untergewicht
    • Inaktiver Lebensstil
    • Tabakkonsum und übermäßiger Alkoholkonsum
    • Längerfristige Steroidtherapie (z.B. Cortison, Prednisolon)
    • Medikamente, die bei Brustkrebs und Prostatakrebs eingesetzt werden

>> Diagnose

Eine Osteoporose wird mit einer Knochendichtemessung diagnostiziert. Die Knochendichte kann mit verschiedenen radiologischen Verfahren gemessen werden. Insbesondere hinsichtlich einer Therapieentscheidung ist allerdings derzeit die sogenannte DXA-Messung an drei verschiedenen Messorten empfohlen, an der Lendenwirbelsäule, am Oberschenkelhals und am Oberschenkelknochen. Das Messprinzip basiert auf einer speziell gefilterten sehr geringen Röntgenstrahlung.

Die Strahlenbelastung liegt deutlich unter der anderer radiologischer Verfahren.

Nach Definition der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) liegt eine Osteoporose bei einem „T-Wert“ kleiner als -2,5 vor. Der „T-Wert“ beschreibt die gemessene Knochendichte im Verhältnis zur der mittleren Knochendichte junger Erwachsener gleichen Geschlechts.

Aus der gemessen Knochendichte wird insbesondere in Abhängigkeit des Alters und Geschlechts eine Frakturgefährdung abgeschätzt anhand derer die Indikation für den Beginn einer spezifischen Osteoporosetherapie geprüft wird.

>> Prävention

Das Wichtigste ist die Bereitschaft, an und über Osteoporose zu denken. Die Vorsorge beginnt in jungen Lebensjahren mit Sport, gesunder Mischkost und im Sommer der Aufenthalt mit ungeschützter Haut soweit vom Hautarzt empfohlen. Somit wird eine gute Grundlage für das höhere Lebensalter gelegt.

Später ist die Ernährung, adäquate Versorgung mit Vitamin D und Calcium sowie regelmäßigem Sport zur Kräftigung der Muskeln sehr wichtig.

Um Stürze zu vermeiden, sollten ältere Menschen Stolperfallen beseitigen, regelmäßig die Sehschärfe kontrollieren lassen und durch Training die koordinativen Fähigkeiten trainieren.

Außerdem ist es nach derzeitiger Lehrmeinung wichtig, daß sich Frauen ab dem 60. Lebensjahr sowie Männer ab dem 70. Lebensjahr einer Knochendichtemessung mittels dem derzeitig international anerkannten Messverfahren DXA (Dual X-ray Absorptiometry) unterziehen.

 

Behandlungsmethoden

Die einfachste Behandlungsmethode ist alles, was jeder von uns selbst durchführen kann.

Das sind die Ernährung mit ausreichender Menge Calcium sowie die Zuführung einer adäquaten Menge Vitamin D. Für Letzteres benötigt man vorher eine ärztliche Untersuchung und Bestimmung des individuellen Vitamin-D-Spiegels.

Es zeigt sich, dass viele Menschen einen Vitamin D Mangel haben. Auch wenn immer noch große Unklarheit besteht, welche Auswirkungen ein Vitamin D Mangel in der Entstehung von Erkrankungen anderer Organsysteme hat, fördert ein Vitamin D Mangel eindeutig die Entstehung einer Osteoporose und sollte daher ausgeglichen werden.

Körperliche Bewegung

Wie die Muskeln auch, werden Knochen durch regelmäßige körperliche Aktivität gestärkt. Deshalb ist eine regelmäßige körperliche Aktivität wichtig. Da wir in unserem Alltag meist zu wenig körperliche Aktivität haben, ist es wichtig, regelmäßig Sport zu treiben, solange dies der Körper zulässt.

Aber auch wenn kein Sport mehr möglich ist, ist eine Bewegungstherapie wichtiger Bestandteil der Vorsorge und Behandlung der Osteoporose.

Sturzvermeidung

Liegt eine Osteoporose vor, bedeutet dies eine erhöhte Frakturgefährdung, deshalb ist es wichtig, Stürze zu vermeiden.

Hierfür gibt es viele, ganz individuelle Maßnahmen, unter anderem das Beseitigen von Stolperfallen in der Wohnung und das Überprüfen und Anpassend der Sehhilfen.

Spezifische Medikamentöse Therapie

Weiterhin gibt es diverse Medikamente mit verschiedenen Angriffspunkten, welche nach gründlicher Untersuchung durch einen mit der Erkrankung vertrauten Arzt festgelegt werden sollten.

Schließlich muss im Falle einer sekundären Osteoporose die Grunderkrankung behandelt werden.

Calcium und Vitamin D

Bisphosphonate

Bisphosphonate sind die wichtigste Substanzgruppe in der spezifischen Therapie der Osteoporose. Sie habe eine hauptsächlich antiresorptive Wirkung, d.h. sie reduzieren die knochenabbauende Wirkung der Osteoklasten. Dadurch kann der Knochen in den Jahren der Therapie mit diesem Substanzen im Falle eines ungestörten Knochenaufbaus an Substanz gewinnen, messbar an einer langsam zunehmenden Knochendichte. Es zeigte sich, dass bereits vor einer messbaren Zunahme der Knochendichte eine deutliche Reduktion des Frakturrisikos erzielt werden kann.

Bisphosphonate können in Tablettenform eingenommen werden (täglich oder wöchentlich), als intravenöse Spritz oder als Infusion (alle drei, sechs oder 12 Monate).

Wirkung und Nebenwirkungen unterscheiden sich etwas zwischen diesen Applikationsformen, so dass es immer eine individuelle Entscheidung ist, welche Applikationsform gewählt werden sollte.

RANK-Ligand-Inhibitor

Bisher gibt es eine Substanz (Denosumab) mit dem Wirkansatz der Blockade eines körpereigenen Botenstoffs, der den Knochenabbau vermittelt. Die Hemmung dieser Botenstoffs, dem RANK-Liganden führt zur Verschiebung des Gleichgewichts des Knochenstoffwechsels in Richtung Knochenaufbau und führt somit zur Erhöhung der Knochenmasse im Verlauf der Therapie.

Der RANK-Ligand Inhibitor wird alle sechs Monate unter die Haut gespritzt.

Strontiumranelat

Strontium wird anstelle von Calcium in den Knochen eingebaut und erhöht auf diese Weise die Knochenfestigkeit. Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit wird aufgrund von seltenen schweren Nebenwirkungen diese Therapieform in Deutschland inzwischen nur noch selten gewählt.

Hormonersatztherapie (HET) und selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM)

Eine Hormonersatztherapie und auch eine Therapie mit einem SERM bei Frauen in der Postmenopausal können den Knochensubstanzverlust verlangsamen, dadurch, dass das Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau länger erhalten bleibt. Eine Zunahme der Knochenmasse kann aber dadurch nicht erzielt werden.

Diese Therapie eignet sich somit insbesondere dann nicht mehr, wenn eine manifeste Osteoporose vorliegt, also bereits Knochenbrüche aufgetreten sind.

Außerdem sind Kontraindikationen für eine Hormontherapie zu beachten.

Parathormon (Teriparatid)

Parathormon ist das Hormon der Nebenschilddrüse, mit dem der Körper physiologischer Weise den Calciumhaushalt ganz wesentlich reguliert.

Eine Therapie mit Parathormon kann den Knochenaufbau deutlich verstärken.

Die recht aufwändige Therapie kann derzeit aber nur für sehr schwere Fälle einer Osteoporose eingesetzt werden, insbesondere, wenn die anderen Therapien keinen ausreichenden Effekt zeigen.

 

Ernährung

Für den Knochenaufbau werden Stoffe und Vitamine benötigt, die unser Körper aus der täglichen Nahrung bezieht. Calcium und Phosphat sind die wichtigsten Bausteine des Knochengerüsts. Für die Calcium-Aufnahme wird insbesondere Vitamin D benötigt. Knochen benötigt

Calcium

Calciumreiche Lebensmittel sind z.B. Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Käse, Quark, aber auch Mineralwasser und einige Gemüsesorten und Nüsse.

Der tägliche Calciumbedarf beträgt etwa 1000 mg (bis 1200) mg im Erwachsenenalter.

Lediglich im Fall eines verringerten Konsums von Milchprodukten, z.B. durch eine Laktoseintoleranz kann eine Calcium-Substitution mit Calciumpräparaten erforderlich sein, ansonsten kann der täglich bedarf ohne weiteres durch eine gesunde Ernährung und das Trinken eines calciumreichen Mineralwassers gedeckt werden.

Vitamin D

Vitamin D ist eigentlich ein Hormon mit vielen wichtigen Funktionen in unserem Körper. Die wichtigsten Funktionen hinsichtlich der Knochengesundheit sind die Vermittlung der Calciumresorption aus dem Darm und eine Unterstützung der Muskelfunktion.

Ein Vitamin D Mangel kann somit das Osteoporoserisiko und das Sturzrisiko und damit das Frakturrisiko erhöhen.

Vitamin D wird aus der Nahrung aufgenommen und durch Sonneneinstrahlung (UV-B-Strahlung) in der Haut gebildet.

In der Nahrung findet es sich in besonders hohen Konzentration in Eiern, Leber und fetten Fischsorten (Lachs, Sardinen, Makrelen).

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